Porträt Kathrin Wallraf

Kirchenzeitung Aachen 02/2016
Porträt Bandmitglied Kathrin Wallraf

Porträt Kathrin Wallraf
Kirchenzeitung-Aachen (www.kirchenzeitung-aachen.de)
Ausgabe: 02/2016
Text : Manfred Lang
Bild : Alice Genpfer

An dieser Stelle geht es um‘s Christsein „normaler“Leute.
Was treibt Menschen an, ihr Leben am Evangelium zu
orientieren und wie äußert sich das? Unterschiedlich: 
Bei der Jungunternehmerin Kathrin Wallraf begann die 
Liebe zur Kirche mit Musik.

Wer war zuerst da, Huhn oder Ei? Für Kathrin Wallraf (29),
die „transzendent denkt und sozial handelt“ und Mitgründerin der Eifeler Jugendkirche
„New Key“ sowie Musikerin und Sängerin in der Sacro-Pop-Band „Spirit“ ist, stellt sich
die Frage so: „War bei mir zuerst die Liebe zur Musik da
oder mein Glaube an Christus?“ Die gelernte Mediengestalterin und studierte Designerin
kann das klar sortieren: „Erst war die Musik, dann kam der Glaube.“
Praktisch sei sie singenderweise in den „Infektionsbereich“ Jesu Christi geraten:
„Bei einer Jugendfahrt nach Taizé“.
Schon vor der Firmvorbereitung sang und spielte sie in Heinz Ströders Jugendchor an
der Gemünder Pfarrkirche St. Nikolaus, ebenso wie Schwester Viviane.
Kathrin bekam Gesangsunterricht, spielte Keyboard im Schulorchester und Flöte im Ensemble.
Ihre Lieblingskirche ist die Kapelle des Hermann-Josef Hauses Urft, die mit Nomadenzelt,
brennendem Dornbusch und Kletterwand ganz anders ist als die meisten Kirchen.
„Aber ich tanke meinen Glauben dort am effektivsten auf, wo ich mich wohlfühle.“
Junge Menschen heute, meint Kathrin Wallraf, seien nicht weniger spirituell als Generationen
vor ihnen: „Aber sie brauchen ihre eigene Liturgie und ihr eigenes Ambiente, um authentisch Gottesdienst feiern zu können“.

„Auf unsere Weise Geist leben, der uns beflügelt”

„Laache, bütze, danze,
springe dunn mer jo hück,
noch ens hondert Johr lääven andere Lück“,
zitiert sie einen Schlager von Fritz Weber. „In 100 Jahren sind hier andere Leute an unserer Stelle und
leben den Geist, der schon uns beflügelt, aber auf ihre Weise.“
Das Evangelium, konstatiert Kathrin Wallraf, wolle in der Zeit verstanden und gelebt
werden, in die hinein es aktuell verkündigt wird: „Musik war für mich der Tonträger,
auf dem es zu mir kam, und auf dem wir von, Spirit‘ es mit Jugendseelsorger
Hardy Hawinkels bei, New Key’ versuchen weiterzugeben.“
Der Glaube an Gott und ihr Vertrauen auf seinen Beistand im Alltag hätten ihr auch im
Angesicht des frühen Unfalltodes ihres Vaters vor einem Jahr sehr geholfen. Sie sei „keine
große Beterin“, denke aber „vor Gott viel an andere und bestimmte Anliegen.
Am nächsten sei sie „ihm“ in der beschwingten Musik der Jugendmessen: „Auch wenn
die Gottesdienstthemen, die ja oft von viel jüngeren Christen, meist Firmlingen,
mit vorbereitet werden, mitunter nicht mehr mein ,Ding’ sind, begegne ich Gott doch,
und ich nehme immer etwas aus der Messe mit nach Hause.“

„Gott bestimmt nicht jeden meiner Schritte”

Sie und ihre jüngere Schwester Viviane sowie ihr älterer Bruder
Gerhard sind von Kindesbeinen an musikalisch und alle drei auf diesem Weg
zu tätigen Christen geworden, obwohl sie zu Hause nicht dazu angehalten wurden.
Mutter Angelika war in ihrer Jugend Lektorin und Pfadfinderin, Vater Paul-Heinz Pfadfinder,
liberaler und eher kirchenskeptischer Mensch. „Meinen Eltern war es egal,
ob ich mich Firmen lassen sollte“, erinnert sich die Grafikdesignerin, die heute gemeinsam
mit ihrer Mutter Angelika die Firma „Wallraf Druck und Design“ in Gemünd
(Stadt Schleiden) leitet: „Mir war mit 15 Jahren schon klar, dass ich das wollte.
“ Gott bestimme nicht jeden ihrer Schritte, aber „insgesamt erschließt er mir die Sinnhaftigkeit meines Lebens.“